Abstract
Polyanionen sind negativ geladene Makromoleküle, die seit mehreren Jahrzehnten als Inhibitoren von Coronaviren in vitro bekannt sind, insbesondere des AIDS-Virus. Diese Aktivität basiert auf der Bildung eines Komplexes zwischen einer anionischen Spezies, dem Polyanion und den Oberflächenproteinspicules, die für makromolekulare Chemiker kationische Polymere sind. Dementsprechend verhalten sich Polysulfate hinsichtlich Stabilität und Effizienz wie Antikörper. Leider wurde in der Vergangenheit die antivirale In-vitro-Aktivität in vivo nicht bestätigt, möglicherweise aufgrund von Wechselwirkungen von Polyanionen mit kationischen Blutelementen. Aus diesem Grund haben Virologen die Aussicht auf eine therapeutische Nutzung von Polyanionen aufgegeben. Bei Coronaviren wie SARS-CoV-2 und seinen Mutanten, die Zellen über die Atemwege infizieren, ist das Spiel möglicherweise nicht beendet. Es werden Strategien vorgeschlagen, um das Virus mit Heparin und anderen Polysulfaten anzugreifen, bevor es die Atemwegszellen erreicht oder stromaufwärts, wenn sich noch Tröpfchen und Aerosole in der Atmosphäre befinden. Die technischen Mittel sind vorhanden, aber vorläufige Tests sind erforderlich, wenn die Humantherapie pathogene Viren betrifft. Hierfür ist das Eingreifen von Virologen unabdingbar. Trotz ihres Interesses bleiben Polysulfate offenbar aus keinem anderen Grund als dem Versagen von AIDS überraschend ignoriert, wenn SARS-CoV-2 ein Virus ist, das die Atemwege infiziert.